Wie packt man einen Notfallrucksack für Erdbeben?
Nach der 72-Stunden-Regel des Bevölkerungsschutzes: ein Notfallrucksack pro Person, an einem Tag aus Haushaltsvorräten zusammengestellt.

Kurze Antwort
Packe pro Person einen wasserdichten Rucksack mit 30-45 Litern. Hinein: 3 Liter Wasser für 72 Stunden, haltbare Lebensmittel, eigene Medikamente, Erste-Hilfe-Set, LED-Lampe, Trillerpfeife, Powerbank, Rettungsdecke, Bargeld und Dokumentenkopien. Lagere den Rucksack im Flur neben der Wohnungstür, halte ihn unter 8-10 kg und prüfe ihn alle sechs Monate.
Das brauchst du
Schritt für Schritt
Rucksack und Stellplatz festlegen
Lege für jedes Familienmitglied einen wasserdichten Rucksack mit 30-45 Litern und zwei Schultergurten bereit. Stell ihn im Flur ins unterste Fach des Schranks, der der Wohnungstür am nächsten ist, oder häng ihn an einen Haken. Keller, Balkonschrank, Abstellraum und verschlossene Zimmer fallen weg. Feste Schuhe und eine Taschenlampe kommen direkt daneben.
Wasser und Nahrung für 72 Stunden einpacken
Nimm mindestens 3 Liter Trinkwasser pro Person in 0,5-Liter-Flaschen: kleine Flaschen lassen sich leichter teilen und tragen. Dazu leicht zu öffnende Konserven, Kräcker, Trockenobst, Nüsse und 3-4 Energieriegel, Ziel sind rund 2.000 kcal pro Tag. Dosenöffner, Feuerzeug und Einweglöffel nicht vergessen.
Erste-Hilfe- und Medikamentenbox bestücken
Sammle sterile Kompressen, Elastikbinde, Pflaster, Schere, Einmalhandschuhe, Antiseptikum und ein Schmerzmittel in einer festen Box. Ergänze Dauermedikamente für 7 Tage und leg deinen Medikationsplan bei: Du bekommst ihn in der Hausarztpraxis, Apotheke oder aus der ePA-App als Ausdruck. Damit entfällt in der Notaufnahme jede Rückfrage zur Dosierung.
Licht, Funk und Strom zusammenstellen
Leg LED-Taschenlampe, Ersatzbatterien, die 100-dB-Trillerpfeife und ein Kurbel- oder Batterieradio in ein eigenes Fach. Lade die Powerbank auf 100 Prozent und leg das Kabel dazu, ein altes Tastenhandy kommt geladen und ausgeschaltet dazu. Kerzen und Streichhölzer bleiben draußen: nach einem Erdbeben ist offene Flamme wegen möglicher Gaslecks tabu.
Dokumenten- und Bargeldbeutel anlegen
Kopiere Personalausweis, Führerschein, Grundbuchauszug oder Mietvertrag, Versicherungspolicen und wichtige Arztbefunde und leg alles in einen wiederverschließbaren Klarsichtbeutel. Eine aktuelle Meldebescheinigung holst du über das Bürgeramt oder das Serviceportal deiner Stadt. Dazu 100-200 Euro in 5-, 10- und 20-Euro-Scheinen, denn Kartenterminals und Geldautomaten können tagelang ausfallen.
Schlaf- und Hygienesachen ergänzen
Pack Rettungsdecke, zwei FFP2-Masken, Arbeitshandschuhe, Feuchttücher, Toilettenpapier, drei 60-Liter-Müllsäcke und Damenhygieneartikel ein. Die Müllsäcke dienen gleichzeitig als Regencape, Sitzunterlage und Toilettenbeutel. Mit Baby kommen Nahrung, Windeln und Fläschchen für drei Tage in ein separates Netz.
Treffpunkt und Notfallkontakte notieren
Vereinbare einen Treffpunkt im Freien vor dem Haus und einen zweiten außerhalb des Viertels, etwa an einem Park oder Schulhof. Schreib beide Orte, die 112 und eine Kontaktperson aus einer anderen Stadt auf einen Zettel im Vorfach des Rucksacks. Installiere zusätzlich die Warnapp NINA und leg denselben Zettel in die Schultasche deines Kindes.
Wiegen, beschriften und Erinnerung setzen
Wieg den gepackten Rucksack auf der Personenwaage: bei Erwachsenen höchstens 8-10 kg, bei Kindern maximal 10 Prozent des Körpergewichts, sonst nimm die schwersten Konserven heraus. Näh oder klebe ein Etikett mit Name, Blutgruppe und Medikamentenallergien an. Richte im Handy einen jährlich wiederkehrenden Termin am 1. April und 1. Oktober für die Kontrolle ein.
Tipps
Achtung
Die beiden häufigsten Fehler: den Rucksack in Keller, Abstellraum oder Balkonschrank zu stellen und Wasser sowie Medikamente jahrelang nicht zu tauschen. Nach einem Beben kommst du im Dunkeln oder durch Trümmer nicht an diesen Schrank, und abgelaufene Medikamente helfen nicht. Der Rucksack steht im Flur, drei Schritte von der Tür, und wird alle sechs Monate geöffnet.
Häufige Fragen
+Für wie viele Tage muss der Notfallrucksack reichen?
Der Bevölkerungsschutz rechnet mit 72 Stunden, bis externe Hilfe zuverlässig ankommt. Der Rucksack braucht deshalb Wasser, Nahrung und Medikamente für mindestens drei Tage; zu Hause sind zusätzlich Vorräte für 7 bis 10 Tage sinnvoll.
+Braucht wirklich jedes Familienmitglied einen eigenen Rucksack?
Ja. Ein einziger großer Rucksack ist zu schwer und bleibt bei einer Person, wenn sich die Familie trennt. Jeder Erwachsene trägt seinen eigenen, Kinder bekommen einen kleinen mit Wasser, Riegel, Pfeife und Lampe.
+Wie viel Bargeld sollte im Rucksack sein?
Rechne mit 100 bis 200 Euro pro Person in 5-, 10- und 20-Euro-Scheinen. Ohne Strom und Internet funktionieren Kartenterminals und Geldautomaten nicht, und auf große Scheine gibt es selten Wechselgeld.
+Wie oft muss ich den Rucksack kontrollieren?
Alle sechs Monate öffnen: Wasser und Nahrung austauschen, Batterien und Powerbank-Ladung prüfen, Ablaufdaten der Medikamente durchgehen. Bei Kindern gehören Schuh- und Kleidergröße zu jeder Kontrolle.
+Sind Kerzen oder Feuerzeug im Rucksack sinnvoll?
Ein Feuerzeug allein und geschlossen verpackt ist unproblematisch, Kerzen werden nach einem Erdbeben aber nicht angezündet, weil Gas ausgetreten sein kann. Nutze für Licht eine LED-Taschen- oder Stirnlampe.
Quellen und Prüfung
Zuletzt geprüft: 13 Eylül 2026. sag uns Bescheid. Der ursprüngliche Leitfaden bezog sich auf türkische Stellen und Portale. Für den deutschsprachigen Raum sind Behörden, Dienste und Beträge angepasst: 72-Stunden-Empfehlung des Bevölkerungsschutzes, Notruf 112, Warnapp NINA, Medikationsplan über Hausarztpraxis oder ePA, Meldebescheinigung über Bürgeramt und Bargeld in Euro.
Dieser Inhalt dient der Information; bei Behördengängen gelten die aktuellen Angaben der zuständigen Stelle. Details: Haftungsausschluss.